Megachile parietina (Geoffroy 1785)
Schwarze Mörtelbiene


Links: Männchen (Größe: 14-17 mm) [Großansicht]. Rechts: Weibchen (Größe: 16-18 mm) [Großansicht]
Verbreitung
Südeuropa; in Mitteleuropa nur sehr zerstreut in wärmeren Lagen, in historischer Zeit nordwärts bis Mitteldeutschland; in den Alpen bis 2000 m ü. NN. – In Deutschland aktuell nur noch in Baden-Württemberg mit drei Populationen im Nördlinger Ries, im Hegau und am oberen Neckar.
Lebensraum
Ursprüngliche Lebensräume der Art sind Flußauen mit einer natürlichen Hochwasserdynamik und mit Felshängen in den Hochgebirgen. In der Zivilisationslandschaft des Menschen sind der Siedlungsschwerpunkt Trockenhänge mit Felsbildungen, vereinzelt auch Steinbrüche und Kiesgruben. In früheren Jahrzehnten trat die Mörtelbiene regelmäßig auch im Siedlungsbereich auf, wo sie heute nur noch sehr vereinzelt anzutreffen ist. Als Nistplätze dienen Felsen, auch einzelne größere oder kleinere Gesteinsbrocken (Findlinge), Gemäuer (Hauswände, Trockenmauern, Uferbefestigungen, Brückenaufbauten) und sonstige vom Menschen geschaffene Strukturen (Beispiele hierfür finden sich auf dieser Seite).
Naturschutzgebiet »Goldberg« im Osten Baden-Württembergs, Nist- und Nahrungsraum einer kleinen Population von Megachile parietina. Die hölzerne Abschrankung, die im Rahmen eines Artenschutzprojektes errichtet wurde, soll Besucher von einem Betreten der Felsbereiche und damit der Nistplätze abhalten. Eine Tafel erläutert die Hintergründe des Betretungsverbots.
Hundsheimer Berg in Niederösterreich nahe der Grenze zur Slowakei mit Felshängen, Schutthalden und Trockenrasen, ein naturnaher Lebensraum der Schwarzen Mörtelbiene.
Nistweise
Die Nester sind Freibauten in eckigen Vertiefungen von Felsen und Steinen oder auf deren Oberfläche, unter günstigen Umständen in kleineren Ansammlungen (Ansammlungen von 10–30, selten mehr Nestern). Ältere Bauten werden meist wieder bezogen. Als Baumaterial für die innen fein geglätteten, fingerhutförmigen, bis zu 16 Brutzellen pro Nest dienen Mörtel (trockener Gesteinsgrus oder Sand, mit Speichel und Nektar durchfeuchtet) und Steinchen. Daher muß auch eine »Materialentnahmestelle« in der Nähe des Nistplatzes liegen. Der fertige Nestkomplex ähnelt einem halbkugelförmigen Lehmballen. Recht oft wird der mit dem Nest der solitären Faltenwespe Delta unguiculata verwechselt.
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Oben links: Die Mörtelbiene beim Glätten der Wandung eine Brutzelle. Oben rechts: Nektarabgabe. Der leuchtend gelbe Pollen in der Bauchbürste stammt von der Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia). Mitte links: Die Mörtelibiene ist rückwärts in die Zelle geschlüpft, um den Pollen abzubürsten. Mitte rechts: Bei der Eiablage auf den recht flüssigen, weil nektarreichen Futterbrei. Beachte: Das Weibchen hält den für die Primärverdecklung benötigten Mörtel bereits in ihren Mandibeln. Unten links: Unmittelbar nach der Eiablage wird mit dem Mörtelballen der Primärdeckel gebaut. Unten rechts: Erst jetzt fliegt die Mörtelbiene wieder weg, um die Brutzelle mit einer zusätzlichen Mörtelschicht zu überdecken.
Neben zwei fertigen und deswegen bereits mit einer Mörtelschicht überzogenen
Brutzellen wurde eine neue Brutzelle begonnen. Hier ist der Grundaufbau mit kleinen
Steinchen gut zu sehen. Erst nach der Eiablage und nach der Herstellung des Primär-
und Enddeckels wird die meist vertikal orientierte Brutzelle mit einer zusätzlichen
Mörtelschicht überzogen.
Aufgrund der zweijährigen Entwicklung müssen die Zellen außerordentlich
witterungsresistent sein. Durch die Verwendung von körpereigenem Speichel
wird der Mörtel
später hart wie Beton und leistet selbst einem Messer erheblichen Widerstand.
Vom Baubeginn bis zur Verdeckelung vergehen, je nach Witterung, meist vier Tage,
unter besonders günstigen Umständen schafft die Mörtelbiene den Bau und die Verproviantierung
der Zelle auch in zwei Tagen. Der größte natürliche Feind dieser Bienen sind
langanhaltende Schlechtwetterperioden.
Fertiges, im Mai 1990 am Hirschauer Berg bei Tübingen gebautes Nest Der rötliche Ton des Baumaterials rührt von den teils rötlich, teils grünlich gefärbten »Bunten Mergeln« her, einer Schichtstufe des Keupers, die hier charakteristisch ist. [Im Vergleich zu dem Bild darüber etwa um den Faktor 2 verkleinert.]
Blütenbesuch
Zwar ist die Art polylektisch, aber sie bevorzugt Fabaceae (Schmetterlingsblütler) und Lamiaceae (Lippenblütler). Die größte Bedeutung hat zweifellos die Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia). Bisher bekannt gewordene Pollenquellen: Boraginaceae: Gewöhnlicher Natterkopf (Echium vulgare); Fabaceae: Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Zaun-Wicke (Vicia sepium), Roter Wiesenklee (Trifolium pratense), Luzerne (Medicago sativa); Lamiaceae: Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Kriechender Günsel (Ajuga reptans); Rosaceae: Durch eine Pollenanalyse belegt, aber Pflanzenart unbekannt. – Die Weibchen sammeln bis zu 300 m weit entfernt vom Nest.
Weibchen an einem Blütenstand der Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia), der an den meisten Lokalitäten bevorzugten Pollenquelle der Art.
Ein Weibchen saugt am Nachmittag Nektar an der Blüte eines Rosenginsters (Cytisus purpureus). Die Aufnahme entstand am 29. April 2006 inmitten einer Ortschaft nahe der österreichisch-slowakischen Grenze. In der Umgebung gibt es ausgedehnte Trockenrasen mit vielen Felsen, auf deren Oberfläche die Mörtelbiene ihre Nester baut.
Kuckucksbienen
Hauptsächlich Stelis nasuta, aber auch Dioxys tridentata. Im südlichen Mitteleuropa und in Südeuropa auch Dioxys cincta.
Phänologie
Univoltin. Flugzeit von Ende April/Anfang Mai bis Ende Juni. In Mitteleuropa zweijährige Entwicklung. Im Mai schlüpfende Tiere überwintern als Imago im Kokon.
Gefährdung und Schutz
Die wärmeliebende und auffällige Art ist im gesamten Mitteleuropa seit Jahrzehnten im Bestand rückläufig, worüber verschiedene Autoren schon seit 1925 immer wieder berichtet haben. In Baden-Württemberg war die Art früher ebenfalls häufiger. Sie kam sogar in einer ganzen Reihe von Dörfern und Städten (Karlsruhe, Stuttgart, Nürtingen) vor. Schon nach 1950 zeigte sie gravierende Rückgangserscheinungen. Alle Populationen mit Ausnahme derer im Hegau und im Nördlinger Ries erloschen. Eine 1990 von mir versuchte Wiederansiedlung im Neckartal erwies sich bis dato als geglückt. Die Erhaltungsmaßnahmen müssen sich demnach In Baden-Württemberg auf diese drei Vorkommen konzentrieren, bei denen unter Einsatz aller Möglichkeiten noch eine Chance für eine langfristige Erhaltung besteht. Auch die Lebensräume der letzten Vorkommen in der Nordschweiz [externer Link!] sind unbedingt vor einer Rekultivierung (Aufforstung, Verfüllung) zu bewahren. Durch gezielte Pflegemaßnahmen ist die Offenhaltung aller Nistplätze zu gewährleisten. In der Umgebung sind Magerwiesen, vor allem solche mit größeren Vorkommen der Futter-Esparsette durch eine Fortführung der extensiven Nutzung zu sichern. Die erste Mahd sollte hier nicht vor Ende Juni erfolgen.








Arten im Detail