Osmia rapunculi (Lepeletier 1841)
Glockenblumen-Scherenbiene
Synonyme: Chelostoma rapunculi (Lepeletier 1841).
Links: Männchen. Rechts: Weibchen. [Großansichten: Bitte auf das Bild klicken].
Kennzeichen
Männchen:9–10 mm. Das letzte Hinterleibssegment
am Ende breit und stumpf bzw. in drei stumpfen Lappen endend.
Weibchen: 8–9 mm. Die Mandibeln sind bei dieser
Art kurz (Unterschied zu Osmia florisomnis!).
Der Vorderrand des Clypeus (Kopfschild) ist crenuliert (mit kleinen Kerben versehen).
Verbreitung
Zerstreut in Südeuropa, Mittel- und Nordeuropa. In den Alpen bis 2000 m. – In Deutschland in allen Bundesländern. Auch in Österreich und der Schweiz weit verbreitet.
Lebensraum
Waldränder, Waldlichtungen, Streuobstwiesen, oft auch im Siedlungsbereich in Gärten und größeren Parkanlagen (synanthrope Art). Als Nistplätze dienen Totholzstrukturen verschiedenster Art, z.B. abgestorbene Äste, anbrüchige Bäume, »wurmstichige« Balken und Bretter von Holzschuppen, alte Zaunpfähle, Schilfmatten und Reetdächer.
Nistweise
Nistet in vorhandenen Hohlräumen in totem Holz, besonders Insektenfraßgängen. Besiedelt auch Nisthilfen, z.B. Bohrungen in Holz, Bambus- und Schilfröhrchen (Innendurchmesser bevorzugt 3,5 mm). Die Nester sind Linienbauten und enthalten 1-6 Brutzellen. Die Zellzwischenwände und der Nestverschluß bestehen wie bei Osmia florisomnis aus einem mit Speichel? und Nektar durchtränkten Mörtel aus Lehm oder Sand. Der Nestverschluß ist besonders charakteristisch, weil in den noch weichen Mörtel kleine Steinchen gesetzt werden. Nach dem Trocknen werden die Nestverschlüsse steinhart.
Ein Weibchen inspiziert einen alten Gang in einer hölzernen Nisthilfe auf seine Verwendbarkeit als Nistplatz.
Das Weibchen setzt in den noch frischen und daher feuchten Mörtel des Nestverschlusses kleine Steinchen zur Stabilisierung.
In einem Bambusröhrchen angelegtes Nest mit 3 Brutzellen und Eiern (Nesteingang rechts).
Je nachdem, an welcher Campanula-Art das Weibchen gesammelt hat, ist der Pollen in der Brutzelle weiß bis hellgelb (links) oder mehr oder weniger rot (oben).
Um den Larvenproviant für diese Zelle zu sammeln, hat das Weibchen zuerst eine Campanula-Art mit hellgelbem Pollen, dann eine mit violettem Pollen (C. isophylla) besucht. Auf dem Pollenvorrat sitzt die noch junge Larve.
Blütenbesuch

Vor allem die Männchen schlafen regelmäßig in Glockenblumen, sie nutzen diese aber auch als Nektarquellen zur Eigenversorgung, denn der Nektar der Glockenblumen ist allen lang und kurzrüssligen Wildbienen zugänglich.
Osmia rapunculi
Dieses Männchen rastete im Verlauf seiner Patrouillienflüge immer wieder auf einem Blütenblatt der Pfirsischblättrigen Glockenblume (Campanula persicifolia) in der weißblütigen Form.
Dieses Männchen rastete im Verlauf seiner Patrouillienflüge
immer wieder auf einem Blütenblatt der Pfirsichblättrigen Glockenblume
(Campanula persicifolia) in der weißblütigen Form.
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Die Weibchen sind streng oligolektisch und auf Campanula (Campanulaceae) spezialisiert. Bisher als Pollenquellen bekannt geworden sind:
- Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
- Rautenblättrige Glockenblume (Campanula rhomboidalis)
- Bologneser Glockenblume (Campanula bononiensis)
- Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium)
- Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia)
- Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus)
- Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides)
- Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata)
- Ranken-Glockenblume (Campanula poscharskyana)
- Karpaten-Glockenblume (Campanula carpatica)
- Sarmatische Glockenblume (Campanula sarmatica)
- Ligurische Glockenblume (Campanula isophylla)
Die Blüten der Campanula Arten sind proterandrisch und zeigen eine Besonderheit in der Pollendarbietung. Die 5 Staubblätter, die als »Saftdecke« den Nektar schützen, öffnen sich schon in der Knospe und entleeren ihren blau-violetten, gelblichen oder weißen Pollen auf den im unteren Teil stark behaarten Griffel. Dieser dient damit in seiner ersten Phase als »Staubblatt«. Im Laufe der männlichen Phase ziehen sich die Griffelhaare handschuhfingerartig in sich selbst zurück. Der Pollen kann nun leichter geerntet werden oder auch abfallen, so daß der Griffel vor Beginn der weiblichen Phase so gut wie frei von eigenem Pollen ist. Die Filamente welken, aber ihre stark, oft dreieckig, verbreiterten Basen bleiben als den großen Nektartropfen überdachende »Saftdecke« bestehen. Dann spreizen sich die 3– 5 Narbenäste und werden mit Pollen aus anderen Blüten belegt.
Osmia rapunculi – pollensammelndes Weibchen
Ein Weibchen erntet in der Blüte der Ranken-Glockenblume (Campanula poscharskyana) den weißen Pollen von dem stark behaarten Griffel (»Griffelbürste«), auf der die Staubblätter zu Beginn der männlichen Phase der Blüte ihren Pollen entleert haben. Die Haarbürste auf der Unterseite des Hinterleibs der Scherenbiene dient als Transportspeicher.
Ein Weibchen erntet in der bereits ganz offenen Blüte
der Ranken-Glockenblume (Campanula poscharskyana) den weißen Pollen von
dem stark behaarten Griffel (»Griffelbürste«), auf der die Staubblätter
zu Beginn der männlichen Phase
der Blüte ihren Pollen entleert haben. Die Haarbürste auf der Unterseite
des Hinterleibs der Scherenbiene dient als Transportspeicher.
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Osmia rapunculi – pollensammelndes Weibchen
Pollensuchende Weibchen zwängen sich oft in die noch geschlossenen oder sich gerade öffnenden Blüten, um den dann noch reichlich vorhandenen Pollen von der Griffelbürste zu ernten. Kurz vor dem Verlassen der Blüte hat hier das Weibchen den meisten Pollen bereits abgestreift und in seine Transportbürste umgelagert.
Pollensuchende Weibchen zwängen sich oft
in die noch geschlossenen oder sich gerade öffnenden Blüten, um den
dann noch reichlich vorhandenen Pollen von der Griffelbürste zu ernten.
Kurz vor dem Verlassen der Blüte hat hier
das Weibchen den meisten Pollen bereits abgestreift und in seine Transportbürste
umgelagert.
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Osmia rapunculi – nektarsaugendes Weibchen
Vollständig offene Blüten enthalten zwar schon nach kurzer Zeit keinen Pollen mehr, sondern aber immer noch Nektar ab, so daß auch abgeerntete Blüten noch Nektarbesucher anlocken. Hier haben sich die 3 Narbenäste bereits gespreizt und der Pollen wurde bereits vollständig geerntet. Das Weibchen nutzt die Blüte während des Pollensammelflugs aber noch als Nektarquelle, wie man an dem ausgefahrenen Rüssel sehen kann.
Vollständig offene Blüten
enthalten zwar schon nach kurzer Zeit keinen Pollen mehr, sondern aber immer
noch Nektar ab, so daß auch abgeerntete Blüten noch Nektarbesucher
anlocken. Hier haben sich die 3 Narbenäste bereits gespreizt und der Pollen
wurde bereits vollständig geerntet. Das Weibchen
nutzt die Blüte während des Pollensammelflugs aber noch als Nektarquelle,
wie man an dem ausgefahrenen Rüssel sehen kann.
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Gegenspieler
Nach einer alten Literaturangabe (Benoist 1929) soll die Weißfleckige Düsterbiene (Stelis breviuscula) bei Osmia rapunculi schmarotzen, was mir aber nach meinen jahrelangen Beobachtungen beider Arten sehr fraglich erscheint. Wirte von Stelis breviuscula sind die beiden Löcherbienenarten Osmia truncorum und Osmia crenulata.
Phänologie
Univoltin. Flugzeit von Mitte Juni bis Ende August. Hauptnistaktivität von Anfang Juli bis Mitte August.
Gefährdung und Schutz
Die im allgemeinen nicht seltene Art kann stellenweise noch in größerer Zahl nachgewiesen werden, vor allem durch gezielte Suche an den artspezifischen Pollenquellen. Man könnte die Art daher für nicht gefährdet halten. In der intensiv genutzten Agrarlandschaft hat die Art aber kaum noch eine Überlebenschance, da dort heute meist die Pollenquellen und oft genug auch die Nistplätze fehlen. Die Erhaltung strukturreicher Waldränder mit besonnten Totholzstrukturen und blütenreichen Säumen ist für den Schutz dieses Teilsiedlers außerhalb der Siedlungen unverzichtbar. Für den Siedlungsbereich gilt – zumindest für die Parkanlagen – das gleiche. Im Garten und selbst auf dem Balkon läßt sich die Art durch Nisthilfen für Hohlraumbewohner ansiedeln, sofern in unmittelbarer Umgebung für ein ausreichendes Angebot verschiedener Glockenblumen gesorgt wird.
Selbst auf dem Balkon kann man mit Glockenblumen einige spezialisierte
Bienenarten anlocken und fördern. Auf meinem früheren Balkon
war diese aus den Bergen Liguriens stammende, nicht winterharte
Campanula isophylla eine attraktive Pollenquelle. Sie hat im
Gegensatz zu
den meisten anderen Glockenblumen einen violetten Pollen.


Arten im Detail