Die Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia) als Pollenquelle von Halictus tumulorum (Gewöhnliche Furchenbiene)
26. Mai 2010
Als ich heute am Hirschauer Berg westlich von Tübingen unterwegs war, fiel mir am Rande des Naturschutzgebiets ein Bienchen auf, das an der hier reich blühenden Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia) Pollen sammelte. Durch das Makroobjektiv meiner Kamera war es mir möglich, das Bienchen als Halictus tumulorum zu identifizieren. An der Futter-Esparsette hatte ich diese Art noch nicht beim Pollensammeln beobachtet. Deshalb versuchte ich, das Verhalten an der Blüte zu fotografieren. Das Ergebnis ist weiter unten zu sehen.
Am Rande des Naturschutzgebiets » Hirschauer Berg« blühen entlang des Wegs derzeit größere Bestände der Futter-Esparsette.
Halictus tumulorum ist bei uns die häufigste Art der Gattung Halictus und erhielt von mir deshalb schon vor Jahren den deutschen Namen Gewöhnliche Furchenbiene. Sie kommt in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor und gehört zu den ausgesprochen polylektischen Bienenarten (zur Polylektie siehe hier). Schmetterlingsblütler gehören allerdings nicht zu den bevorzugten Nahrungsquellen. Meine älteren Aufzeichnungen enthalten lediglich Weißklee (Trifolium repens) als Pollenquelle. 2007 habe ich die Art an Rotklee (Trifolium pratense) beobachtet und fotografiert. Somit sind die heutigen Beobachtungen an der Futter-Esparsette die ersten an dieser Pollenquelle.
Die Blüteneinrichtung der Esparsette ähnelt sehr der von Klee (Trifolium): Narbe und Antheren treten bei Belastung des Schiffchens durch die besuchende Biene frei aus demselben hervor und kehren wieder in das Schiffchen zurück, sobald der Druck aufhört. Da die Kelchröhre nur 2–3 mm lang ist, ist der Nektar auch kurzrüsseligen Bienen zugänglich.
Die nachfolgende Galerie zeigt das Verhalten von Halictus tumulorum an der Onobrychis-Blüte. [Start der Galerie durch Klick auf ein Vorschaubild]
Während des Sammelflugs. Charakteristisch für das Weibchen dieser Art ist die grün-metallische Färbung.
Das Weibchen steckt seinen Kopf in die Kronröhre, um an den Nektar zu gelangen.
Zwar ist der Rüssel unscharf abgebildet, aber es ist doch zu sehen, wie er nach hinten in Richtung Nektarien ausgefahren wird.
Mit den Mittel- und Hinterbeinen drückt das Weibchen das Schiffchen herunter, damit die Staubbeutel mit dem Pollen erscheinen.
Durch das Herunterdrücken des Schiffchens wurde Pollen auf dessen Oberseite abgelagert, der nun von dem Weibchen geerntet wird.
Meist wird der Pollen in dieser Körperhaltung geerntet, nachdem das Schiffchen mit den Beinen etwas nach unten gedrückt wurde.
Manchmal wird der Pollen mit den Mandibeln auch von der Seite abgenommen.
Das Weibchen hat den Pollen von der Oberseite des Schiffchen abgerntet.
Auf diesem Foto sieht man, wie der intensiv gelbe Pollen nach dem Herunterdrücken des Schiffchens auf diesem hängenbleibt und nun von der Biene entnommen werden kann.
Die Transporteinrichtungen der Hinterbeine sind mit dem Esparsettenpollen reich gefüllt.
Nachdem einige Blüten besucht wurden, rastet das Weibchen kurz auf einer Esparsettenblüte, indem es sich mit den Beinen an der Fahne festhält.

